Gymnosporangium sabinae
(Wacholderrost)

Wenn die Blätter an den Birnenbäumen wie auf diesen Fotos gelb-orange gefleckt sind und an der Unterseite von orangefarbenen Pusteln übersät sind, ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass sie vom Birnengitterrost-Pilz [Gymnosporangium sabinae] befallen sind. Die Bäume werden durch diesen Pilz geschwächt, da er die Photosynthese verhindert, die Früchte entwickeln sich schlecht. Starker Befall über mehrere Jahre hinaus führt zwangsläufig zum Absterben der Bäume.

 

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Der Verlauf
Das ganze Ausmaß wird erst im August richtig sichtbar. Die Pusteln an der Blattunterseite platzen auf, so dass die Sporen freigesetzt werden. Um zu überwintern braucht der Pilz einen neuen Wirt. Dazu dient ungefähr die Hälfte aller Wacholderarten [Juniperus]. Der Chinesische Wacholder [Juniperus chinensis] ist einer dieser Wacholderarten, nicht aber der heimische Wacholder [Juniperus communis]. Noch im Herbst keimen die Sporen und wachsen in das Innere der befallenen Wachholdertriebe. Erkennen kannst du den Pilzbefall am Wacholder, durch unnatürliches Dickenwachstum. Siehe Fotos! Im April und Mai, besonders bei günstigem Wetter, also feucht, regnerisch, brechen die Verdickungen auf. Eine geleeartige Masse, siehe Foto unten, tritt hervor. Innerhalb kurzer Zeit trocknet der Pilz zu einer braunen staubigen Masse ein. Wind und Insekten tun nun das Ihrige. Im Umkreis von bis zu 600 m um einen infizierten Wacholder wird, je nach Windrichtung, jeder Birnenbaum infiziert. Nach 14 Tagen wird der erste Befall sichtbar. Der Pilz beginnt an der Blattunterseite zu keimen.
Die Intensität des Birnengitterrostes unterliegt Schwankungen. Der Befall ist von Jahr zu Jahr verschieden stark. In manchen Jahren konnte ich an mehreren Birnenbäumen nur einen geringen Befall feststellen. Leider gibt es aber keine Birnensorte, die gegen Birnengitterrost resistent ist.



Wacholderarten

Es dienen keineswegs alle Wacholderarten und -sorten als Wirtspflanzen für den Birnengitterrost/Wacholderrost. In der Aufzählung habe ich die wichtigsten Wacholderarten und -sorten einschließlich der Anfälligkeit gegenüber Wacholderrost benannt. Diese Aufzählung kann aber, wegen des riesigen Wacholder-Sortiments, nur unvollständig sein.







Wacholderart und Sorte Anfällig gegenüber Birnengitterrost
Juniperus chinensis 'Blaauw' Nicht anfällige Sorte
Juniperus chinensis 'Expansa' Geringe Anfälligkeit
Juniperus chinensis 'Hetzii' Nicht anfällige Sorte
Juniperus chinensis 'Keteleerii' Stark anfällige Sorte
Juniperus chinensis 'Mathot' Mittlere Anfälligkeit
Juniperus chinensis 'Mint Julep' Nicht anfällige Sorte
Juniperus chinensis 'Old Gold' Mittlere Anfälligkeit
Juniperus chinensis 'Parsonii' Geringe Anfälligkeit
Juniperus chinensis 'Pfitzeriana' Stark anfällige Sorte
Juniperus chinensis 'Pfitzeriana Aurea' Stark anfällige Sorte
Juniperus chinensis 'Pfitzeriana Compacta' Stark anfällige Sorte
Juniperus chinensis 'Pfitzeriana Glauca' Nicht anfällige Sorte
Juniperus chinensis 'Pfitzeriana Old Gold' Mittlere Anfälligkeit
Juniperus chinensis 'Plumosa Aurea' Geringe Anfälligkeit
Juniperus chinensis 'Robusta Green' Stark anfällige Sorte
Juniperus chinensis 'Robusta Queen' Sehr stark anfällige Sorte
Juniperus chinensis 'Rockery Gem' Mittlere Anfälligkeit
Juniperus chinensis 'Torulosa' Geringe Anfälligkeit
Juniperus communis (Säulenwacholder) Nicht anfällige Sorte
Juniperus communis 'Depressed Star' Geringe Anfälligkeit
Juniperus communis 'Hibernica' Geringe Anfälligkeit
Juniperus communis 'Hornibrookii' Mittlere Anfälligkeit
Juniperus communis 'Oblonga Pendula' Mittlere Anfälligkeit
Juniperus communis 'Repanda' Mittlere Anfälligkeit
Juniperus communis 'Stricta' Mittlere Anfälligkeit
Juniperus communis 'Suecica' Mittlere Anfälligkeit
Juniperus conferta 'Blue Pacific' Mittlere Anfälligkeit
Juniperus horizontalis 'Blue Chip' Mittlere Anfälligkeit
Juniperus horizontalis 'Glauca' Stark anfällige Sorte
Juniperus horizontalis 'Hughes' Stark anfällige Sorte
Juniperus horizontalis 'Prince of Wales' Stark anfällige Sorte
Juniperus horizontalis 'Webberi' Stark anfällige Sorte
Juniperus horizontalis 'Wiltonii' Stark anfällige Sorte
Juniperus procumbens 'Nana' Stark anfällige Sorte
Juniperus sabina 'Arcadia' Mittlere Anfälligkeit
Juniperus sabina 'Blaue Donau' Sehr stark anfällige Sorte
Juniperus sabina 'Broadmoor' Geringe Anfälligkeit
Juniperus sabina 'Buffalo' Geringe Anfälligkeit
Juniperus sabina 'Rockery Gem' Geringe Anfälligkeit
Juniperus sabina 'Tamariscifolia' Stark anfällige Sorte
Juniperus sabina 'Tamariscifolia Select' Mittlere Anfälligkeit
Juniperus sabina 'Wichita Blue' Nicht anfällige Sorte
Juniperus scopulorum 'Blue Heaven' Stark anfällige Sorte
Juniperus scopulorum 'Wichita Blue' Geringe Anfälligkeit
Juniperus squamata 'Blue Carpet' Stark anfällige Sorte
Juniperus squamata 'Blue Star' Stark anfällige Sorte
Juniperus squamata 'Holger' Sehr stark anfällige Sorte
Juniperus squamata 'Loderi' Sehr stark anfällige Sorte
Juniperus squamata 'Meyeri' Sehr stark anfällige Sorte
Juniperus virginiana 'Canaertii' Sehr stark anfällige Sorte
Juniperus virginiana 'Glauca' Sehr stark anfällige Sorte
Juniperus virginiana 'Grey Owl' Geringe Anfälligkeit
Juniperus virginiana 'Skyrocket' Geringe Anfälligkeit
Juniperus virginiana 'Tripartita' Sehr stark anfällige Sorte

 

Gegenmaßnahmen

Als Gegenmaßnahmen kann man die Wirtspflanzen, die Birne ist der Zwischenwirt und die betroffenen Wacholderarten der Wirt, entfernen, was natürlich nur schwer machbar ist, da die Sporen durch Wind übertragen werden und nicht jeder Gartenfreund die nötige Einsicht hat.
Möglich ist auch die Verdickungen am Wacholder im Winter auszuschneiden und zu vernichten. Das Entfernen der Sporenbeutel im Frühjahr halte ich für einen zu späten Zeitpunkt, kann aber auf keinen Fall schaden.
Bei kleinen Bäumen kann man stark befallene Blätter auch ablesen und verbrennen. Auch im Herbst sollte man die Blätter einsammeln und vernichten.
Obwohl eine Bekämpfung der Krankheit, von besonderen Fällen abgesehen, nicht unbedingt notwendig ist, verspricht nur frühzeitiges Spritzen eine wirkungsvolle Abhilfe. Das ist natürlich nicht jedermanns Sache und sollte nur bei einem sehr starken Befall im Vorjahr geschehen. Ich schrecke immer noch vor einer Spritzung zurück, habe aber dadurch schon zwei sehr alte Bäume verloren. Im Fachhandel gibt es mehrere Präparate. Die Angaben im Beipackzettel sind sehr genau einzuhalten. Mehrmalige Spritzungen sollten vor und nach der Blüte durchgeführt werden.
Es gibt auch eine ganze Reihe von pflanzenstärkenden Mitteln im Garten-Fachhandel, die auch gespritzt werden können. Stärkungsmaßnahmen wie das Wässern in Trockenzeiten, Bodenverbesserung und Standortoptimierung helfen jeder Pflanze Krankheiten und Schädlinge selbst zu bekämpfen oder mindestens den Befall zu überstehen.

 

Zusammenfassung

Gymnosporangium sabinae (Wacholderrost) gehört zu den wirtwechselnden Rostpilzen. Er benötigt für seine Entwicklung als Hauptwirt einige Wacholderarten, wobei der einheimische Wacholder [Juniperus communis] nicht zu diesen zählt, und als Nebenwirt die Birne. Der Pilz lebt ausdauernd in dem befallenen Wacholder. Im Frühjahr werden aus den verdickten Triebstellen die gallertartigen Wintersporenlager gebildet. Besonders während Regenperioden werden zahlreiche Sporen freigesetzt, die mit dem Wind auf ihren Nebenwirt, die Birne, gelangen. Bei Trockenheit schrumpfen die Sporenlager am Wacholder ein. Sie bleiben weiterhin infektiös bis wieder günstige Bedingungen eintreten. Ein chemischer Schutz des Wacholders ist zurzeit nicht möglich. Befallene Wacholder sollten entfernt werden. Birnen müssen sich jedes Jahr neu infizieren. Durch das Abwerfen des Laubs sind sie im Winter befallsfrei.