Unkräuter & Wildkräuter

 


Unkraut ist die Opposition der Natur gegen die Regierung der Gärtner!
O. Kokoschka


Nach oben! Was ist Unkraut Ökologische Gesichtspunkte
Unkräuter als Bodenanzeiger Unkrautbekämpfung unter photobiologischem Gesichtspunkt Bauernweisheiten / Redewendungen
Zitate    

 

Was ist Unkraut

Wenn man es genau nimmt, gibt es kein Unkraut. Es sind lediglich wüchsigere, besser an die Bedingungen angepasste Pflanze. Sie wachsen schneller und besser und gewinnen so den Kampf um den Raumanspruch. Jede Pflanze, die dort wächst, wo sie nicht wachsen soll, ist für uns Unkraut. Ein Birkensämling, der im Dahlienbeet wächst, ist Unkraut, obwohl er besser auf diesen Standort passt als eine Dahlie, deren ursprüngliche Heimat Asien ist. Es geht dabei um den Kampf um Nährstoffe, Licht, Wasser und Luft. Unkräuter können, wie alle Pflanzen, Träger von Krankheiten sein oder Schädlinge anlocken. Oder, der wilde Sämling ist unerwünscht, weil wir andere Vorstellungen von der Gestaltung unseres Gartens haben.
Pflanzen sind für uns Unkraut, weil:
  • sie eine andere Kultur bedrängen,
  • sie uns nicht gefallen,
  • sie zu wuchsfreudig sind und sich, für unsere Begriffe, zu stark ausbreiten,
  • sie unter Umständen Schäden an Fassaden oder Bauwerken. verursachen,
  • sie den Gesamteindruck einer Anlage stören.

 

Ökologische Gesichtspunkte

Die Natur kennt kein Unkraut. Wild- oder Unkräuter sind letztlich die Wildformen unserer Kulturpflanzen. Ein gutes Beispiel ist hier der Vergleich von Ackerveilchen und Stiefmütterchen. Dem "unkrautigen" Spontanbewuchs kommen wichtige Aufgabe in der Natur zu. Offene Bodenflächen werden umgehend begrünt und damit befestigt. Diese Pflanzen tragen so dazu bei, dass der Mutterboden nicht vom Wind und Regen abgetragen wird.
Unkräuter sind Bioindikatoren. Es sind auch schöne Pflanzen darunter. Sie dienen vielen Tierarten als Nahrungs-, Brut- oder Unterschlupfbiotop. Die Brennnessel beherbergt z. B. weit mehr als 100 Insektenarten. Löwenzahn bietet reichlich Nahrung für Insekten. Viele Arten von Wildkräutern sind Heilpflanzen. Der Huflattich hilft z. B. gegen Husten.
Grundsätzlich gilt: alle Pflanzen haben ihre Lebensberechtigung, denn jede Pflanze erfüllt in der Natur bestimmte Aufgaben, so auch der Brennnessel-Giersch-Saum in der Ecke, neben dem Kompost oder hinter dem Schuppen. Wenn man die Wildkräuter in ihre Grenzen verweist, können sie also schön und nützlich sein.

 

Unkräuter als Bodenanzeiger

Einige Pflanzen gedeihen nur auf saurem oder nur auf kalkhaltigem Boden. Auf Grund dieser Eigenschaften kannst du sie als Zeigerpflanzen benutzen. Gleichzeitig kann man sie mit dieser Kenntnis auch bekämpfen. So kann man Schachtelhalm mit Kalk beseitigen.
Zeigerpflanzen zeigen nicht den Nährstoffgehalt des Bodens an, sondern nur den Ph-Wert. Man unterteilt sie also in Pflanzen die Kalkmangel anzeigen und Pflanzen die kalkhaltigen Boden anzeigen.

Kalkmangel Kalk
Schachtelhalm Taubnessel
Hederich Brennnessel
Knöterich Saudistel
Sauerampfer Ehrenpreis
Königskerze Hirtentäschel
Hundskamille Kreuzkraut
Habichtskraut  
Stiefmütterchen  
Sternmiere  

 

 

Unkrautbekämpfung unter photobiologischem Gesichtspunkt

Ganz allgemein kann man sagen, dass Unkraut auch unter dem Nachthimmel keimt. Langjährige Untersuchungen des Instituts für Botanik und Pharmazeutische Biologie der Universität Erlangen-Nürnberg haben ergeben, dass drei Sekunden Mondschein oder fünf Minuten des Lichts einer mondlosen, sternklaren Nacht die Keimung von Pflanzensamen auslösen können. Bei Neumond genügte sogar die Reflexion der Stadtbeleuchtung am bewölkten Himmel zur Keimung. Dazu müssen die Samen in einer Phase erhöhter Lichtempfindlichkeit sein. Dies hängt wiederum vom Zustand im jährlichen Zyklus von Keimungs- und Ruhephasen ab. Diese Ergebnisse lassen eine nächtliche Bearbeitung von Gemüse- oder Getreidefeldern, zur Unkrautbekämpfung, fraglich erscheinen.
Ökologisch sinnvoll und verbraucherfreundlich wäre, wenn Ackerwildkräuter ohne Herbizide unter Kontrolle gehalten werden könnten. Zur photobiologischen Unkrautbekämpfung fanden seit 1981 mehrjährige Feldversuche statt, bei denen Ackerstücke teils um die Mittagszeit, teils nach Sonnenuntergang bearbeitet wurden. Tagsüber fällt beim Um- und Aufgraben Licht auf tiefer im Erdreich verborgene Samen von Wildkräutern und setzt deren Keimung in Gang. Die Feldarbeit in der Dunkelheit sollte dies vermeiden.
Durch dreifach wiederholte Nachtbearbeitung konnte das Unkraut auf fünf Prozent der am Tage bearbeiteten Kontrollfläche gesenkt werden. Langfristig war die unerwünschte Konkurrenz der Nutzpflanzen nicht vom Feld zu kriegen. Das lag daran, dass einige Unkräuter entweder Dunkelkeimer sind oder sich durch Wurzelausläufer vermehren. Ein Teil der Samen liegt nur bis zu einem Zentimeter unter der Oberfläche, wohin die Photonen des Tageslichts in ausreichender Stärke vordringen.
Für die nächtliche Bodenbearbeitung als Alternative zum Einsatz chemischer Mittel gilt, dass entweder mondlose Nächte bei bedecktem Himmel oder - sofern bekannt - Ruhezeiten mit geringer Lichtempfindlichkeit der Unkrautsamen gewählt werden sollten. Bei Mittagssonne reicht zur Auslösung der Keimung vieler Samen der millionste Bruchteil der Zeit, die bei Vollmondlicht benötigt wird.

 

Bauernweisheiten / Redewendungen

  • Regnen sollte es, aber nicht zu lange, sonst wächst das Unkraut zu schnell.
  • Aus derselben Ackerkrume wächst das Unkraut wie die Blume.
  • Wenn der Gärtner schläft, pflanzt der Teufel Unkraut.
  • Wer das Unkraut nicht ehrt, ist der Blume nicht wert.
  • Wer zu faul zum Jäten ist, wird Unkraut kauen müssen.
  • Unkraut trägt das Feld, wenn man's nicht recht bestellt.
  • Unkraut vergeht nicht.
  • Unkraut wächst auch ungesät.
  • Unkraut wächst auch unbegossen.
  • Unkraut wächst in jedermanns Garten.
  • Dem Unkraut schadet der Frost nicht.

 

Zitate

Unkräuter sind Pflanzen, deren Zweck und Nutzen wir nicht erkannt haben.

Das Unkrautjäten füllt meine Tage aus... Man kniet am Boden und vollzieht das Rupfen, wie man einen Kult zelebriert, nur des Kultes wegen, der sich ewig erneuert, denn wenn drei, vier Beete sauber sind, ist das erste schon wieder grün.
(Hermann Hesse)

Schöne Blumen wachsen langsam, nur das Unkraut hat es eilig.
(Shakespeare)


Unkraut ist alles, was nach dem Jäten wieder wächst.
(Mark Twain)


Und wenn ich mich drangebe, kapriziere ich mich darauf, dass keine Unkrautpflanze stehen bleibt. Doch wenn man wieder hinkommt, denkt man: Donnerwetter, nun hast du doch eins übersehen.
(Wilhelm Busch)


Dem Fröhlichen ist jedes Unkraut eine Blume, dem Betrübten jede Blume ein Unkraut.
(Finnisches Sprichwort)

Auch auf dem besten Felde gibt es Unkraut.
(Jamaika)



 

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